Malerisches Wildungen – Ausstellung begeistert knapp 5.500 Gäste
Nachbericht zur Ausstellung in der Wandelhalle Bad Wildungen
„Malerisches Wildungen. (Stadt-) Ansichten heimischer Künstler“
Der Ausgangspunkt: Die Schenkung der Familie Schultheis
In tiefer Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Bad Wildungen hat sich Peter Schultheis (1940–2021) mit großem ehrenamtlichem Engagement für die Förderung regionaler Kunst und Kultur eingesetzt und zahlreiche stadtprägende Projekte vorangebracht. Von elementarem Wert sind auch seine privaten Sammlungen zu kurtypischen Souvenirs, zur lokalen Postgeschichte oder zu Wildunger Stadtansichten, die er über Jahrzehnte hinweg mit äußerster Akribie zusammentrug.
Durch die großzügige Schenkung seiner Familie im vergangenen Jahr sind diese wertvollen Kulturschätze in den Besitz der Städtischen Museen Bad Wildungen übergegangen. Wichtige Sammlungslücken konnten damit geschlossen, bereits bestehende Sammlungsgebiete vervollständigt und der städtische Besitz in seiner Qualität maßgeblich aufgewertet werden.
Die Städtischen Museen Bad Wildungen knüpften an ihre Dankbarkeit das Versprechen, den Nachlass Schultheis für die Öffentlichkeit zu bewahren und wann immer möglich zu präsentieren.
Die Ausstellung: 80 Werke – 49 Künstlerinnen und Künstler
Die Schenkung bot die Grundlage für ein besonderes Ausstellungsprojekt, das die Werke der oft unterschätzten Heimatmaler in seinen Fokus nahm, über ihr Leben und Wirken berichtete, den Wandel Bad Wildungens vom Ackerbürgerstädtchen zur mondänen Kurstadt abbildete und neue Perspektiven auf die Stadt für die Gegenwart und Zukunft eröffnete.
Unter dem Titel „Malerisches Wildungen. (Stadt-) Ansichten heimischer Künstler“ konnten 80 Stadtansichten von 49 Künstlerinnen und Künstlern von 1824 bis in die Gegenwart ausgewählt werden:
- 30 Bildwerke aus dem Nachlass Schultheis
- 50 Bildwerke aus städtischem Besitz
- 15 Leihgaben aus der Bevölkerung, die zur Mitgestaltung der Ausstellung aufgerufen war
Die Vorbereitung: Sammlungsarbeit und Recherche
In Vorbereitung auf die Ausstellung musste zunächst die rund 200 Gemälde, Grafiken und Karten umfassende Schenkung gesichtet, fotografiert und inventarisiert werden. Auch der städtische Besitz, der allein über 1.500 Bildwerke heimischer Künstlerinnen und Künstler umfasst, wurde entsprechend untersucht und bearbeitet.
Hauptverantwortlicher dieses Prozesses war Dr. Daniel Wolf, der seit September 2025 als Sammlungsmanager mit der Erfassung, Sortierung und Aufbereitung der städtischen Sammlungen betraut ist. Für die Ausstellung wurden alle verfügbaren Lebensläufe zu heimischen Künstlerinnen und Künstlern soweit möglich erfasst und aufbereitet. Da zu einigen von ihnen keine oder nur wenige Informationen vorlagen, nahm die Recherche in den hauseigenen Archiven einige Zeit in Anspruch. Federführend waren hier Museumsleiterin Lisa Beutler und Jahrespraktikantin Madlene Ranft aktiv, die allerhand spannende Fakten aus verschiedenen Quellen gewinnen und übersichtlich gliedern konnten.
Für die digitale Verwaltung des Museumsbestandes stand den Mitarbeitenden das Programm „Museum digital“ zur Verfügung, das der Museumsverband Hessen dankenswerterweise schon im Vorfeld zur kostenfreien Nutzung für die elementare Sammlungs- und Museumsarbeit bereitgestellt hat. Die gesammelten Daten konnten direkt in das System eingetragen und mit den entsprechenden Bildwerken verknüpft werden, wodurch sich ein sehr großer Mehrwert für die gegenwärtige und künftige Museumsarbeit ergab.
Bürgerbeteiligung: Lücken schließen – gemeinsam
Leider blieben die Hintergründe so mancher Künstlerinnen und Künstler trotz intensiver Suche weiterhin im Verborgenen. Um diese Lücken möglichst zu schließen, war die Wildunger Bevölkerung dazu aufgerufen, sich durch einen Informationsaustausch zu beteiligen und fehlende Künstlerinnen und Künstler mit Gemälden aus privaten Sammlungen in das wachsende Ausstellungsprojekt einzubringen.
Werke von Helmut Heiser (1919–1997), Heinz Seidlitz (1900–1985) oder der zeitgenössischen Aquarellmalerin Gabriele Zimmermann fanden auf diese Weise ihren Weg in die Ausstellung und eröffneten nochmals neue Perspektiven auf die Kurstadt und ihre Stadtteile.
Besonders erfreulich waren im Zuge des Projektes entstandene Kontakte, etwa mit Oliver Schmid, Urenkel des in Bad Wildungen bis heute präsenten Malers Prof. Fritz Zimmer (1874–1950). Zusammen mit seiner Frau gab er bei seinem Besuch in der Ausstellung neben einer wertvollen Mappe mit zahlreichen Zeitungsartikeln und allerhand Skizzen und Briefen auch ein Gemälde, den gerne genutzten Malkasten, eine Staffelei sowie Ausweisdokumente des Malers und Grafikers in den Besitz der Städtischen Museen Bad Wildungen.
Bereichernd war auch der Kontakt zum ehemaligen Kurgast Evert Zwaan (geb. 1941), der bis vor einigen Jahren regelmäßig zur Reha und Kur nach Bad Wildungen kam und mit einer Stadtansicht über die Schenkung der Familie Schultheis in die Ausstellung gekommen war. Der überraschende Anruf mit der Information, dass seine Kunst in Bad Wildungen zu sehen sei, hat ihn sehr gefreut.
Der scharfsinnigen Sammeltätigkeit von Peter Schultheis ist es ebenso zu danken, dass zahlreiche Werke von aktiven und ehemaligen Mitgliedern des Bad Wildunger Kunstvereins einen ehrenvollen Platz in der Ausstellung fanden und auch ein Gemälde von Schloss Friedrichstein des Künstlers Marius Rosinski gezeigt werden konnte, der seit 2020 noch recht frisch auf dem regionalen Kunstmarkt vertreten ist.
Eröffnung und Laufzeit
Die Eröffnung der Ausstellung fand am 14. Februar (Valentinstag) mit rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Foyer des Obergeschosses in der Wandelhalle Bad Wildungen statt. Ehrengäste waren an diesem Tag nicht nur die Familie Schultheis, sondern auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die sich mit einer gemalten Stadtansicht im Ausstellungsraum wiederfinden konnten.
Die Ausstellung hatte eine ursprüngliche Laufzeit vom 14. Februar bis 17. Mai 2026 und wurde auf vielfachen Wunsch hin bis zum 7. Juni verlängert.
Herausforderung: Barrierefreiheit
Leider war der Fahrstuhl der Wandelhalle seit dem 18. Januar defekt, sodass das Obergeschoss über die gesamte Laufzeit hinweg nicht barrierefrei zugänglich war. Obwohl alles Mögliche zur schnellstmöglichen Wiederinbetriebnahme des Fahrstuhls seitens der Stadt Bad Wildungen unternommen wurde, blieb gerade älteren Besucherinnen und Besuchern der Zutritt zur Ausstellung letztlich leider verwehrt. Dies war für alle Seiten sehr bedauerlich, zumal sich das Projekt im Wesentlichen an diese Zielgruppe mit persönlichem Bezug zur Stadt gerichtet hatte.
Ergebnis: Knapp 5.500 Besucherinnen und Besucher
Trotz aller Herausforderungen verzeichnete die Ausstellung „Malerisches Wildungen“ dennoch knapp 5.500 Besucher und ist damit durchaus als Erfolg zu werten. Drei begleitende Rundgänge, die einmal monatlich von Museumsleiterin Lisa Beutler angeboten wurden, waren gut besucht und boten einen umfassenden Einblick in die malerisch dokumentierte Geschichte der Kurstadt Bad Wildungen.
Fazit
Mit der Ausstellung „Malerisches Wildungen. (Stadt-) Ansichten heimischer Maler“ konnte das Team der Städtischen Museen Bad Wildungen in Eigenleistung und unter Einsatz eigener Exponate mit lokalem Bezug das Bewusstsein für die Geschichte und Bedeutung der Stadt stärken. Die Sammlungsarbeit, die elementar für einen funktionierenden Museumsbetrieb und einen bewussten Umgang mit dem städtischen Kunst- und Kulturschatz ist, wurde sichtbar gemacht.
Die Öffentlichkeit war durch den transparent aufgezeigten Prozess der Aufarbeitung eingebunden und dazu eingeladen, die Ausstellung durch private Leihgaben oder persönliche Erinnerungen in ihrem Umfang zu erweitern. Die aus diesem Projekt gewonnenen Ergebnisse dienen als wichtige Grundlage für die weitere Museumsarbeit sowie künftige Projekte zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Kurstadt Bad Wildungen.




