Historische Altstadt

Einleitung

Ein Spaziergang durch die zauberhafte Altstadt von Bad Wildungen

Ein Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit. Schmucke Fachwerkhäuser mit kunstvollen Details und schiefen Winkeln versprühen eine nostalgische Atmosphäre. Die Architektur ist faszinierend und gewährt einen Einblick in vergangene Zeiten.

Neben den historischen Gebäuden gibt es auch gemütliche Cafés, Restaurants und kleine Läden, die zum Bummeln und Verweilen einladen. Hier kann man regionale Spezialitäten probieren oder das ein oder andere Souvenir erwerben.

Freuen Sie sich auf viele Sehenswürdigkeiten, zu denen wir Ihnen hier auf der Seite gerne mehr erzählen.

Achten Sie bei Ihrem Rundgang einmal besonders auf die vielen Merkmale einer langsam gewachsenen Altstadt, die unterschiedlichen Fachwerkkonstruktionen, die Höhe der Gebäude, die Enge der verwinkelten Gassen und die Maßnahmen zur Erhaltung der Altstadt.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Entdecken der historischen Altstadt.

Inhalt
Einleitung

Rundgang durch die Altstadt

Stadtkirche Bad Wildungen von außen
Stadtkirche Bad Wildungen von außen

1. Die Stadtkirche

Die Evangelische Stadtkirche beherrscht das Bild der Altstadt durch ihre erhöhte Lage und ihre wuchtige Fassade. Der dreischiffige Hallenbau wurde im 13. Jh. begonnen, aber erst 1494 endgültig fertiggestellt. An der Außenseite erinnert der „Schmerzensmann“ an einen der Gründe für die lange Bauzeit: den „schwarzen Tod“ (die Pest). Der ursprünglich sehr spitze Turm erhielt im 19. Jh. eine abgeflachte „Welsche Haube“.

Innenraum: Im Zuge der Durchführung der Reformation in Wildungen (1529) erhielt der Innenraum sein betont nüchternes Aussehen. Die beiden barocken Grabdenkmäler links für Graf Josias II. von Waldeck, gefallen im Kampf gegen die Türken und rechts für Fürst Carl von Waldeck-Pyrmont stammen aus späterer Zeit.

Das Altarbild des Conrad von Soest ist ein Gemälde von außerordentlichem kulturhistorischem Rang. Zu Beginn des 15. Jh. fertiggestellt, bildet dieser Christusaltar einen Höhepunkt mittelalterlicher Malerei in Deutschland. Im Mittelpunkt der Darstellung die Kreuzigungsszene, in wohldurchdachter Komposition umgeben von Szenen aus dem Leben Jesu. Die genaue und eindringliche Wiedergabe aller Figuren, aber auch die rätselhaften Anspielungen des Malers fordern noch den heutigen Betrachter auf, sich intensiv auf dieses Gemälde einzulassen. (Farbdiavortrag über das Altarbild: Heimatmuseum, Lindenstraße 9.)

2. Der Marktplatz

Der Marktplatz war früher und ist heute das geschäftige Zentrum der Stadt. Schon Mitte des 13. Jh. entstand an dieser Stelle das erste Rathaus der jungen Stadt. 1453 wurde der Neubau eines größeren Fachwerkbaus abgeschlossen; in ihm befanden sich neben den Verwaltungsräumen u. a. Schirnen für Bäcker und Metzger, eine Weinstube, ein großer Tanzsaal und ein Bohlwerk, in dem die Tortur, d. h. die Befragung Angeklagter auf der Folter, durchgeführt wurde. Das klassizistische Hauptgebäude des heutigen Rathauses stammt aus dem 19. Jh. Raummangel machte eine Erweiterung des Rathauses notwendig. Es wurde die interessante Lösung gefunden, das Hauptgebäude mit zwei benachbarten alten Fachwerkhäusern und einem angepassten Neubau zu verbinden. Gegenüber die „Löwenapotheke“, eines der ältesten (1551) und sicher eines der schönsten Fachwerkgebäude der Stadt. Gotische Minuskelschrift ziert das Gebälk. Viele Gebäude wurden in den letzten Jahren grundlegend renoviert und stehen für die Bemühungen, Attraktivität und Lebendigkeit der Altstadt zu bewahren.

In dieser Absicht wurde auch der Marktbrunnen wieder aufgebaut. In früherer Zeit endete in solch einem runden „Kump“ eine hölzerne Druck-Rohrleitung, die seit 1378 Wasser vom Sauerbrunnen bis in die Stadt führte.

Außenaufnahme des ehemaligen Waisenhofs in der Altstadt. Zu sehen ist ein rot weißes Fachwerkhaus bei sonnigem Wetter sowie ein Teil der Straße in der es steht.
Außenaufnahme des ehemaligen Waisenhofs in der Altstadt. Zu sehen ist ein rot weißes Fachwerkhaus bei sonnigem Wetter sowie ein Teil der Straße in der es steht.

3. Waisenhof

(Hinterstraße 14)

Wegen seiner imposanten Anlage (viergeschossige Fachwerkkonstruktion auf hohem Steinsockel) und wegen seiner stadtgeschichtlich interessanten Nutzung ist dieses Gebäude hervorzuheben. Anfang des 18. Jh. wurde es als Waisenhaus errichtet und zählte damit zu den ältesten Einrichtungen dieser Art überhaupt in Deutschland. Bis 1830 waren hier jeweils 33 Waisen untergebracht. Dann ging das Haus in privaten Besitz über und diente zeitweise als Kindergarten. Von 1890 bis 1911, bis zum Bau einer großen Synagoge am Dürren Hagen, nutzte die jüdische Gemeinde Räume des Gebäudes als Gotteshaus.

Blick auf den erhaltenen Teil des Lindentors zur Altstadt Bad Wildungen. Davor befindet sich eine Treppe mit Sitzmöglichkeiten.
Blick auf den erhaltenen Teil des Lindentors zur Altstadt Bad Wildungen. Davor befindet sich eine Treppe mit Sitzmöglichkeiten.

4. Stadtmauer

Der Bau einer Stadtmauer hatte für eine mittelalterliche Stadt überragende Bedeutung. Als Verteidigungsanlage gewährte sie Schutz, sie war ein für alle Einwohner sichtbares Zeichen des gemeinsamen Territoriums, und die von allen getragene Anstrengung des Mauerbaus, auch die finanzielle, formte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger.

Nur an wenigen Stellen der Stadt finden sich heute noch Reste der Mauern. Die 4 Fuß dicken Grundmauern waren mit 4,5 Fuß hohen Brustwehren versehen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die gesamte Anlage noch erhöht. Zur Befestigungsanlage gehörten 3 Türme, 3 Tore und sicherlich der Mauer vorgelagerte Wälle. Auch die Notpforte war ein Teil des Verteidigungssystems; sie diente als letzter Zufluchtsweg in die Stadt, wenn die großen Tore wegen drohender Gefahr schon geschlossen waren. (1 Fuß ca. 30 cm).

Blick von unten auf den Turm Roter Hahn in Bad Wildungen
Blick von unten auf den Turm Roter Hahn in Bad Wildungen

5. „Roter Hahn“

Der schlanke Turm an der Südostseite der Stadt wurde um 1300 errichtet und ist damit der älteste Wehrturm der Stadt. Seinen Namen verdankt er wahrscheinlich seinem (früheren) roten Ziegeldach, auf dem sich eine Hahnenspitze befand. Am Hinrichtungstag wurde die rote Blutfahne gehisst. Auf der Spitze befand sich immer ein Wetterhahn.

Vom Turm aus hat man auch heute noch einen weiten Blick ins Vorfeld der Stadt. Der „Rote Hahn“ diente auch als Gefängnis für Schwerverbrecher; der untere Stock ist überwölbt, und in der Mitte der Decke befindet sich die einzige Öffnung, durch die der Delinquent an einem Seil in sein kaltes Verlies herabgelassen wurde.

Alte Zeichnung des Wegaers Tors in der Altstadt Bad Wildungen. Zu sehen sind die Türme und der Durchgang zur Stadt sowie ein Teil der Stadtmauer.
Alte Zeichnung des Wegaers Tors in der Altstadt Bad Wildungen. Zu sehen sind die Türme und der Durchgang zur Stadt sowie ein Teil der Stadtmauer.

6. Wegaer Tor

Drei große Toranlagen gewährten Einlass in die Stadt. Am Beginn der Brunnenstraße markieren einige große Steine rechts und links der Fahrspur das ehemalige Wegaer Tor (oder Wildunger Tor); es wurde zu Beginn des 19. Jh. abgetragen. Die Anlage bestand aus einem wuchtigen Torturm, an den sich die Stadtmauer anschloss; dazu kam ein ca. 10 Meter vorgelagerter weiterer Innenturm und ein nochmals 12 Meter tiefer errichteter kleiner Turm mit Fachwerkaufsatz (siehe Bild). Die Zwischenräume waren von starken Mauern umschlossen und bildeten einen sogenannten Zwinger. In diesem Zwischenraum befanden sich auch zwei Linden, unter denen von 1482 bis 1630 das Peinliche Halsgericht abgehalten wurde.

In allen drei Toranlagen – außerdem: Lindentor (Lindenstraße) und Brunnentor (Brunnenstraße/ An der Mauer) – waren Wächterstuben und Gefängnisse untergebracht.

7. Fachwerkbauten

Das Bild der Altstadt ist geprägt von Fachwerkfassaden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man ganz unterschiedliche Baustile, und es ist sicherlich erstaunlich, wie hoch und v. a. wie stabil man vor Hunderten von Jahren schon bauen konnte. Dass es auch schon strenge Bauvorschriften gab, belegt die Tatsache, dass (fast) alle Häusergiebel zur Straße hinzeigen. „Walters Rain“ (Brunnenstraße 3, 5/7 und 9) zeigt die typischen vorkragenden Obergeschosse. Das Doppelhaus Nr. 5/7 ist aus gekreuzten Fachwerkbalken aufgebaut, einer sogenannten „Wilder-Mann“-Konstruktion. Der vorspringende Sockelbau mit dem Kellereingang ist der letzte Rest des alten Rains. Das Haus Brunnenstraße 11 wurde 1619 durch Johann Rebstock erbaut. Der Besitzer versuchte seinen Namen in prächtigem Schnitzfachwerk umzusetzen, die Eckpfosten zeigen Rebstockranken, Trauben und Früchte.

Außenaufnahme des ehemaligen Pferdebunkers in der Altstadt.
Außenaufnahme des ehemaligen Pferdebunkers in der Altstadt.

8. Bunker am Pferdeteich

Durch die Teichstraße erreicht man einen wuchtigen Bunkerbau (Ecke Mittelstraße), erbaut kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges. Verstreut im gesamten Stadtgebiet finden sich 15 Bunker. Sie wurden gebaut, weil Bad Wildungen kurzfristig einmal als Standort des Luftwaffenhauptquartiers vorgesehen war. Im Krieg nahmen sie Kunstschätze aus ganz Deutschland auf. Genau an der Stelle dieses Bunkers befand sich früher ein Brauhaus. Schon im 15. Jahrhundert braute man in Wildungen aus dem Wasser des Sauerbrunnens (Georg-Viktor-Quelle) ohne Hefe ein Bier, das wahrscheinlich gerade wegen seines CO2-Gehaltes und der besonderen Zusammensetzung der Quelle sehr geschätzt wurde; man exportierte bis nach Schweden. Neben dem Brauhaus war früher der Pferdeteich, ein kleiner Teich zum Schwämmen der Pferde. Hier wurden allerdings auch Gesetzesbrecher zur Strafe unter Wasser getaucht.

Nahaufnahme des Schildes vom Stadt Museum. Zu sehen ist eine Nahaufnahme eines roten Fachwerkhauses.
Nahaufnahme des Schildes vom Stadt Museum. Zu sehen ist eine Nahaufnahme eines roten Fachwerkhauses.

9. Lindenstraße

Das Haus Lindenstraße Nr. 9 beherbergt das Heimatmuseum. Einen Schwerpunkt der Präsentation bildet die Entwicklung des Ortes Wildungen von seiner ersten Erwähnung (um 800), über das Erlangen der Stadtrechte bis hin zum Hinauswachsen über die Grenzen der Stadtmauern in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Am unteren Ende der Lindenstraße schützte früher das Lindentor die Stadtbewohner. Die Lindenstraße selbst präsentiert sich heute als ein fast komplettes „Fachwerk-Ensemble“.

Blick auf das Altstadt Rondell bei sonnigem Wetter,
Blick auf das Altstadt Rondell bei sonnigem Wetter,

10. Rondell

Über die Kornstraße hinweg und „An der Mauer“ entlang offenbart sich das Straßengewirr einer gewachsenen Altstadt, die hier auch den geographischen Besonderheiten Rechnung tragen musste. Das Rondell verstärkte ab ca. 1450 die Stadtmauer, die hier durch das relativ flache Vorgelände am meisten einem Sturmangriff ausgesetzt war. Ein Fachwerkaufbau wurde 1705 wieder entfernt.

Vom Rondell aus überblickt man die großzügige Fluchtlinie der Brunnenallee, die schon im 19. Jahrhundert erstmals als Promenade angelegt wurde. Sie ist die Verbindung zum Kurviertel.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts existierten in Wildungen zwei Welten nebeneinander: hier die enge Altstadt, noch ohne Strom und Kanalisation, dort die repräsentativen Großbauten, wie der Fürstenhof am Ende der Allee.

Blick auf das Schloss Friedrichstein im Frühling vom Kurpark aus
Blick auf das Schloss Friedrichstein im Frühling vom Kurpark aus

11. Schloss Friedrichstein

Von verschiedenen Punkten dieses Rundganges aus erblickt man Schloss Friedrichstein auf dem gegenüberliegenden Hügel von Altwildungen, das bis 1940 eine selbständige Stadt war. An der Stelle des Schlosses stand im Mittelalter eine wehrhafte Burg; der Umbau zu einem barocken Schloss unter dem Grafen Josias erfolgte dann im 17. Jahrhundert. Er wurde unter Fürst Friedrich Anton Ulrich v. Waldeck 1714 fertig gestellt. Nach wechselvoller Geschichte wurde das Schloss 1976–1980 renoviert und beherbergt heute ein Museum für hessische Militär- und Empiregeschichte.

Der Rundgang kann fortgesetzt und abgerundet werden; durch das Tal der Königsquelle wandert man zum Schloss hinauf; von dort hat man nun wieder einen herrlichen Überblick über die hier beschriebene Altstadt Bad Wildungens.

Plan der
historischen Altstadt

Hier können Sie sich gerne den Altstadtplan downloaden:

Einleitung

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