Auf ewig in dieser Stadt lebendig – Zum Tod von Dr. Volker Brendow
Ehemaliger Wildunger Lehrer und Museumsleiter nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren verstorben
Die traurige Nachricht vom Tod Dr. Volker Brendows am 16. März dürfte jedes Wildunger Herz zutiefst berührt haben. Über 35 Jahre hatte Dr. Brendow als Lehrer für Biologie und Chemie am Gustav-Stresemann-Gymasium gewirkt und ein hohes Ansehen genossen. Sein ausgeglichenes, freundliches Wesen und die lebendige Art zu unterrichten müssen vielen ehemaligen Schüler*innen und Kolleg*innen in guter Erinnerung geblieben sein, noch heute hört man sie Geschichten aus dieser Zeit erzählen. Die ehrenamtliche Leitung des Heimatmuseums (heute Stadtmuseum Bad Wildungen) war ihm 1979 übertragen worden. Mit kreativen Formaten begeisterte er Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen für die jahrtausendealte Geschichte der Wildunger Region. In über 30-jähriger Tätigkeit ließ Dr. Brendow ein besonderes Museum zum Anfassen entstehen, das er durch wertvolle Ausgrabungsfunde wie dem Bergheimer Hockergrab anreicherte. Bis heute hat sich seine unverkennbare Handschrift in den verwinkelten Räumen des Fachwerkhauses in der Lindenstraße lebendig erhalten. 1987 konnte durch sein Bestreben ein neues Kurmuseum in der Brunnenallee 1 eröffnet werden. Dieses Museum zeigte in einer ersten Ausstellung nicht nur die Werke des geschätzten Kunstmalers Willi Tillmans, sondern widmete sich nun auch der nicht minder bedeutungsvollen Kurstadtgeschichte. Die außerordentlichen Verdienste, die er etwa als (erster) städtischer Umweltbeauftragter und Kreispfleger für Bodenaltertümer zusätzlich auf den Gebieten des Naturschutzes und der Heimatforschung erwarb, sind in Worte kaum zu fassen. Für seine bedeutende Unterstützung bei den Ausgrabungen in Buhlen, Bergheim und auf dem Eisenberg wurde ihm 1979 der Paul-Dierichs-Preis verliehen. 1989 erhielt er für seine herausragenden Leistungen in der Heimatpflege den (neuen) Kulturpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Dr. Volker Brendow hinterlässt ein einmaliges kulturelles Erbe, das nicht nur in Bad Wildungen, sondern auch im Waldecker Land allgegenwärtig bleiben wird. In tiefster Dankbarkeit und Anerkennung gilt es, sich vor den Leistungen dieses Mannes zu verneigen und an die prägenden Stationen seines Lebens zu erinnern. Dr. Brendow hat zweifelsfrei jedes Wildunger Herz schon einmal berührt. Sein Erbe wird auf ewig in dieser Stadt lebendig sein.
Wer Dr. Volker Brendow kannte, der schätzte ihn nicht nur für seinen feinen Charakter, sondern auch für sein einmaliges Talent, die Wildunger für ihre Geschichte zu begeistern. Obgleich er in über 40 Jahren Großes für die Stadt und Region leistete, blieb er immer bescheiden. Ihm genügte die Gewissheit, die Geschichten wertvoller Funde nach bestem Wissen bewahrt und ihre Botschaften an die nächsten Generationen weitergegeben zu haben. Das allein machte ihn schon zufrieden. Er liebte die Ferienwohnung in Bad Muskau ebenso wie den heimischen Garten in Reinhardshausen. Mit seiner Frau Jutta und seinen drei Kindern, die ihn stets bei allem unterstützten, führte er ein erfülltes und glückliches Leben. Auch sie sind vor allem dankbar für das, was sie durch und mit ihm erleben durften.
Prägende Stationen seines Lebens
Volker Brendow wurde am 30. Mai 1943 in Halle an der Saale geboren. 1949 folgte der Umzug nach Bad Wildungen. Der Vater wurde seit dem Krieg vermisst. Die Mutter war Lehrerin und Rektorin an der Helenentalschule (Grundschule). Die Schulzeit verbrachte er u.a. am Gustav-Stresemann-Gymnasium, das er 1962 mit dem Abitur verließ. 1969 heiratete er Jutta geb. Schoebel, die er seit der Schule kannte. Das Paar zog nach Reinhardshausen und bekam drei Kinder, 1971 Tochter Elke (Lehrerin, wohnhaft in Reinhardshausen), 1972 Sohn Michael (Lehrer, wohnhaft in Gelnhausen) und 1974 Tochter Claudia (Physiotherapeutin, wohnhaft in Titz). Schon früh hatte Volker Brendow die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie die Archäologie begeistert. An den Universitäten Marburg und Gießen studierte er Biologie und Chemie. Es folgten die Promotion zum Doktor rer. nat. (1968) und der Beginn seiner 35-jährigen Lehrtätigkeit am Gustav-Stresemann-Gymnasium (1970-2005). Schon im Studium war Volker Brendow mit dem ehemaligen Wildunger Museumsleiter Rudolf Lorenz auf der Suche nach Bodenschätzen über die Felder dieser Gegenden gezogen. In der Zeitung las man von der siebenwöchigen Reise dreier junger Wildunger (Brendow, Kienle, Schindler), die mit ihrem Transporter rund 16.000 Kilometer durch die Türkei bis zum Persischen Golf reisten. 1971 gründete er eine Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte, die sich an bedeutenden Ausgrabungen in der Region beteiligte und mit dem Paul-Dierichs-Preis (1979) ausgezeichnet wurde. Zu ihren spektakulärsten Projekten zählt zweifelsfrei das 1974 in Bergheim aufgedeckte Hockergrab aus der Jungsteinzeit. Auch weitere bedeutende Funde aus der Stein- und Eisenzeit sind Dr. Volker Brendow und seiner AG zu verdanken. Als Beauftragter für Naturschutz der Stadt Bad Wildungen, Beauftragter für die Bodenaltertümer des Landkreises und als Mitglied im Museumsrat des hessischen Museumsverbandes schuf er ein neues Umweltbewusstsein, bewahrte die Schätze der Region und gab ihre Geschichten an die nächsten Generationen weiter. Am Gustav-Stresemann-Gymnasium war Dr. Brendow inzwischen zum Studienrat (1972), Oberstudienrat (1976) und ab 1980 zum Studiendirektor ernannt worden. Nach dem Tod von Rudolf Lorenz übernahm er zusätzlich zum Beruf die ehrenamtliche Leitung des Heimatmuseums (1979-2010). Zu den Verdiensten seiner langjährigen, unermüdlichen Tätigkeit zählen die Ordnung und Neugestaltung der städtischen Ausstellung und – mit dem Kurmuseum und dem Alten Bergamt – zwei neue Museumsstandorte zur Wahrung von Stadt- und Heimatgeschichte. Dr. Brendow schätzte die Kunst von Willi Tillmans, der einst nach dem Ersten Weltkrieg von der Düsseldorfer Akademie in das beschauliche Kleinern zum Malen von Waldecker Landschaften gekommen war. Mit großem Gespür für das Besondere konnte er erreichen, dass der Nachlass des Künstlers zu maßgeblichen Teilen in den städtischen Besitz überführt wurde und die Sammlung mit dem Atelier Willi Tillmans eine ordentliche Präsentation erhielt. 1989 wurde Dr. Volker Brendow unter 25 Benennungen und Bewerbungen von einer Jury ausgewählt, die ihn für seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Heimatpflege mit dem Kulturpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg auszeichnete. Schon 1968 war er dem Waldeckischen Geschichtsvereins beigetreten. Seither hatte er in zahlreichen Fachartikeln und Aufsätzen wichtige Lücken der Wildunger Stadt- und Regionalgeschichte Wildungens schließen können. Nach kurzer Krankheit verstarb Dr. Volker Brendow im Alter von 80 Jahren am 16. März 2024 friedlich im Kreise seiner Familie. In Reinhardshausen findet er seine letzte Ruhestätte.
Von Lisa Beutler, Kulturamt, im Namen der Stadt Bad Wildungen
