Neue Dauerausstellung zu Willi Tillmans öffnet ab Freitag, 15. August, seine Türen
Es war 1919, als sich der aufstrebende Landschaftsmaler Willi Tillmans (1888 – 1985) dazu entschied, seine Heimatstadt Düsseldorf zu verlassen und sich dem Druck des zeitgenössischen Kunstmarktes zu entziehen. An der dortigen Kunstakademie, die weit über die Region hinaus ein hohes Ansehen genoss, hatte er unter Einfluss moderner Strömungen eine gründliche und vielseitige Ausbildung erhalten. Schon 1907 war Tillmans durch einen Studienfreund erstmals in das sogenannte „Paradies“ zwischen Kleinern und Gellershausen gereist, das den jungen Rheinländer sofort begeisterte. Stets zur Sommerzeit war er seither mit Freunden an diesen besonderen Ort zurückgekehrt, an dem sie inmitten der Natur bis 1914 ein unbeschwertes Künstlerleben fernab gesellschaftlicher Zwänge führten. Nach dem Ersten Weltkrieg war aber nichts mehr, wie es war: Viele seiner Studienkollegen hatten ihre anfängliche Kriegsbegeisterung mit dem Leben bezahlt, darunter etwa August Macke. Als Tillmans 1919 der Verkauf eines Winterbildes für 4000 Mark auf einer Berliner Kunstausstellung gelang, erbaute er sich nahe des „Paradieses“ bei Kleinern ein einfaches Atelierhaus und zog sich in die selbstgewählte Einsamkeit zurück. Für die nächsten 70 Jahre sollten so die Berge, Täler, Dörfer und Wälder des Wesetals zum wesentlichen Inhalt seiner Kunst werden, die er unermüdlich zu jeder Tages- und Jahreszeit „plein air“, d.h. in der freien Natur schuf. Über 1000 Gemälde, Skizzen und Studien sowie hunderte von Grafiken und Zeichnungen hat Willi Tillmans seiner Nachwelt geschenkt und dabei ein bewegtes Leben in größter Bescheidenheit in Kauf genommen. Bis heute gilt er als der Maler der Waldecker Landschaft. Auch 40 Jahre nach seinem Tod ist sein einmaliges kulturelles Erbe in der Region lebendig.
Dass der Großteil des künstlerischen Nachlasses nach 1985 in den Besitz der Städtischen Museen Bad Wildungen gelangte, ist dem langjährigen ehrenamtlichen Museumsleiter Dr. Volker Brendow zu verdanken. Schon im neuen Kurmuseum, das von 1986 bis 2006 in den Räumen der heutigen Tourist-Information in der Brunnenallee 1 untergebracht war, erhielt das umfassende Werk des Kunstmalers bei Rekonstruktion des Kleinerner Malerateliers eine angemessene Würdigung. Es folgten weitere Sonderausstellungen, für die Dr. Brendow über Jahrzehnte hinweg alle verfügbaren Quellen wie Briefe, Skizzenbücher und Zeitungsartikel auswertete und seinen künstlerischen Werdegang erforschte. Von 2011 bis 2014 war der Kunst von Willi Tillmans in der Brunnenallee 17 ein eigenständiges Museum gewidmet, das mit dem Verkauf des Gebäudes aufgelöst wurde. Die bewegte Geschichte des Waldecker Malers und seine Bedeutung für die Region hatte Dr. Brendow inzwischen in einer umfassenden Monografie gesichert. Nachdem Kulturamts- und Museumsleiter Bernhard Weller von 2016 bis 2023 in der Wandelhalle Reinhardshausen eine Auswahl der Tillmanschen Werke präsentieren konnte, zog das Atelier mit der Sanierung des Gebäudes unter seiner Nachfolgerin Lisa Beutler in die Wandelhalle Bad Wildungen um. Hier lag der Schwerpunkt der provisorischen Präsentation zunächst darauf, mit weit über 150 Bildern einen größtmöglichen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens abzubilden.
Seit März wurde die Ausstellung, die nun dauerhaft im 2. Obergeschoss der Wandelhalle bleiben soll, umfassend umgebaut. In zwei Nischen wurde das Kleinerner Maleratelier rekonstruiert und mit allerlei Original-Gegenständen ausgestattet. Die Druckerpresse, die Tillmans 1922 zu Zeiten der Inflation für drei Pfund Butter erwarb, sowie sein eindrucksvoller Schrank bilden die Herzstücke der neuen Präsentation. Überlebensgroße Fotobanner gliedern den Raum, während die einzige Tonbandaufnahme aufgearbeitet werden konnte und den Maler selbst aus seinem Leben erzählen lässt. Anhand von Textstelen kann seine Geschichte von der Düsseldorfer Zeit bis zu seinem Tode nachempfunden werden. Sie werden von ausgewählten Bildern und Grafiken begleitet, die Einblicke in die facettenreiche Kunst von Willi Tillmans ermöglichen.
Ab Freitag, 15. August, öffnet die neue Dauerausstellung ihre Türen und ist täglich von 10 – 17 Uhr geöffnet. Eine große Einweihung ist aufgrund der Urlaubszeit für den Geburtstag des Malers am 20. November geplant. Der Eintritt ist wie gewohnt frei. Am 22. und 29. August (Freitag) gibt es um 15 Uhr eine kostenfreie Kuratorenführung mit Museumsleiterin Lisa Beutler, eine Anmeldung ist nicht nötig.
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