Die Bundesgesetzgebung gibt das Ziel eindeutig vor: Bis 2045 muss Deutschland treibhaus-gasneutral sein. Dies betrifft nicht nur die regenerative Stromerzeugung und den fossilfreien Verkehr, sondern insbesondere auch die Wärmeversorgung von Haushalten und der Wirtschaft durch nachhaltige Quellen. Mit dem geplanten Nahwärmenetz in Altwildungen wird nun ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen.

Wie bereits am 12. Januar 2024 in der WLZ berichtet, wird die Holzfachschule an die Biogasanlage in der Giflitzer Straße angeschlossen. Hintergrund ist die geplante Erweiterung der Produktionskapazitäten sowie die Nutzung der Abwärme aus der Biogasanlage, wodurch mehr Wärme zur Verfügung steht, die in ein neues Nahwärmenetz eingespeist werden soll. Die Holzfachschule konnte im vergangenen Jahr als Ankerkunde gewonnen werden, um das Projekt zu realisieren. Ihr jährlicher Wärmebedarf von rund 2.000.000 kWh deckt bereits ei-nen großen Teil der erzeugten Wärme ab. Dennoch sind weiterhin erhebliche Kapazitäten vorhanden, um auch weitere Anlieger in der Umgebung der Holzfachschule an das Nahwärmenetz anzuschließen.

Das Nahwärmenetz wird von einer Betreibergemeinschaft unter Federführung des Maschinenring Waldeck-Frankenberg und unter Mitarbeit der Firma Veltum (Waldeck) und der Dö-ring Ingenieure (Kassel) umgesetzt. Während der Maschinenring die Organisation und Geschäftsführung übernimmt, ist Veltum für die technische Umsetzung zuständig und Döring Ingenieure verantworten die ingenieurtechnische Planung des Projekts. Die Wärmeversorgung basiert auf einer Kombination aus Biogaswärme und der Verbrennung von Holzhack-schnitzeln aus regionalem Wald-Restholz und Landschafts-Pflegematerial.

Da die genaue Ausgestaltung des Netzes von der Anzahl der Interessenten abhängt, wurden die Anwohnerinnen und Anwohner im potenziellen Versorgungsgebiet im Vorfeld zu einer In-formationsveranstaltung eingeladen. Zusätzlich erhielten sie einen Datenerhebungsbogen, mit dem sie ihren Wärmebedarf, die bestehende Heiztechnik und ihr grundsätzliches Interesse an einem Nahwärmeanschluss angeben konnten.

Zum 5. Februar 2025 luden die Betreibergemeinschaft und die Stadt Bad Wildungen zu der Veranstaltung ins Bürgerhaus Altwildungen ein. Eingeladen waren zunächst Haushalte, die im geplanten Projektbereich liegen. Mehr als 100 Interessierte folgten der Einladung. Nachdem Bürgermeister Gutheil die Veranstaltung eröffnete wurden die technischen und organisatorischen Grundlagen des Nahwärmenetzes in einer Präsentation durch Vertreter der Betreibergemeinschaft vorgestellt. Anschließend gab es Raum für Fragen, in denen die Anwohnerinnen und Anwohner sich über die Kosten, die Trassenführung oder die Versorgungssicherheit erkundigten.

Auch die Einordnung des Projekts in die kommunale Wärmeplanung war dabei Thema. Klimaschutzmanager Maximilian Malte Paul erklärte dazu:
„Das Projekt geht der kommunalen Wärmeplanung voraus, die aktuell vom Zweckverband EWF in Bearbeitung ist und im August 2025 vorliegen soll. Diese Planung wird Orientierung für die zukünftige Wärmeversorgung der Ortsteile und Quartiere geben und zeigen, wo sich Nahwärme besonders lohnt oder wo Einzelheizlösungen wirtschaftlicher sind“. Unter https://kompass-kwp.de können sich Interessierte über die regionale Energie- und Wärmeplanung informieren.

Zur Versorgungssicherheit äußerte sich Herr Schneider vom Maschinenring:
„Dank unseres Netzwerks sind alle Voraussetzungen für eine stabile und nachhaltige Wärmeversorgung gegeben. Zudem bleibt die Wertschöpfung in der Region, da keine Energieträger importiert werden müssen“.

Da viele Fragen zu den Kosten gestellt wurden, machten die Betreiber klar, dass eine genaue Kalkulation erst nach der Auswertung der Datenerhebungsbögen möglich ist. Ein großer Vor-teil für die Haushalte: Die Kosten für den Anschluss bis zum Wärmeplattentauscher am Haus übernimmt der Wärmenetzbetreiber. Für die Haushalte fallen nur Kosten für die interne Technik im Gebäude an, diese sind jedoch deutlich geringer als die Anschaffung einer neuen Einzelheizung. Zudem erfüllt die Wärmeversorgung die gesetzliche Anforderung an eine treib-hausgasneutrale Energiequelle, die für jeden Haushalt spätestens zum Jahr 2045 greift. Um die Umstellung auf Nahwärme finanziell zu erleichtern, können Haushalte Fördermittel aus dem Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude für Einzelmaßnahmen (BEG EM) nutzen, das bis zu 70 % der förderfähigen Investitionen abdeckt.

Die Stadt Bad Wildungen und die Betreibergemeinschaft rufen die Anwohnerinnen und Anwohner im Projektgebiet auf, ihr Interesse über den Erhebungsbogen bis zum 28. Februar 2025 zu bekunden. Auch Haushalte in den angrenzenden Straßenzügen können ihr Interesse an einem Anschluss äußern. Die Anzahl der Teilnehmenden bestimmt, wie weit das Netz ausgebaut werden kann. Der Baustart des Nahwärmenetzes hängt von der Bewilligung der Fördermittel ab, doch unabhängig davon wird die Holzfachschule bereits in diesem Jahr an-geschlossen, wie Herr Schneider vom Maschinenring klarstellte: „Die Anbindung der Holzfachschule ist für dieses Jahr geplant. Langfristig kann das Netz je nach Nachfrage auch auf weitere Straßenzüge in Altwildungen ausgeweitet werden“.

In weiteren Informationsveranstaltungen sollen dann konkrete Details zu Preisen und Umsetzungszeiträumen vorgestellt werden. Bürgermeister Ralf Gutheil äußerte abschließend: „Der hohe Zuspruch am Nahwärmeprojekt zeigt, dass Bad Wildungen bereit ist, auf eine nachhaltige Energieversorgung umzusteigen. Für die Haushalte bietet sich eine große Chance, sich frühzeitig für eine klimafreundliche und wirtschaftlich tragfähige Wärmeversorgung zu entscheiden“.

Weitere Informationen gibt es auf www.mv-waermeplus.de oder telefonisch beim Maschinenring Waldeck-Frankenberg unter 06451 230 981 21.