Blick in die Ausstellung Die Ehrenbürger Bad Wildungens.
Einleitung

Die Ehrenbürger Bad Wildungens

Über Persönlichkeiten, die (Stadt-) Geschichte schreiben

Vom 10. Dezember 2022 bis zum 5. Februar 2023 widmeten sich die Städtischen Museen Bad Wildungen in einer Sonderausstellung den Ehrenbürgern der Stadt Bad Wildungen, deren Geschichten bisher nicht vollständig ergründet wurden. So war es das erklärte Ziel der Ausstellung, die einzelnen Persönlichkeiten sowie ihr Leben und Wirken zu präsentieren und ihre Geschichten in einen geschichtlichen Kontext einzubetten. Am Ende ergab sich damit eine fließende Reise durch die Stadtgeschichte Bad Wildungens, wobei die 16 Männer, denen im Laufe der Zeit das Ehrenbürgerrecht der Kurstadt verliehen wurde, die Eckpunkte dieser Reise bildeten. Um die Erkenntnisse zu den Ehrenbürgern Bad Wildungens langfristig zu sichern, wurde zur Ausstellung ein umfassendes Begleitbuch veröffentlicht. Weitere Maßnahmen, die im Zuge der thematischen Aufarbeitung ergriffen wurden, waren: die Überarbeitung der Rubrik Ehrenbürger auf Wikipedia (noch nicht abgeschlossen); das Erstellen einer aktualisierten Ehrenbürger-Liste, die an das Hauptamt der Stadt Bad Wildungen übergeben wurde (abgeschlossen); die Sichtung und Überarbeitung von Plaketten, die unter den sechs, nach Ehrenbürgern benannten Straßen zu finden sind (abgeschlossen); das Einrichten einer „Ehrenbürger-Galerie“ im Foyer des Stadtmuseums von Bad Wildungen (abgeschlossen).

Inhalt
Einleitung

Die in der Wandelhalle Bad Wildungen gezeigte Sonderausstellung „Die Ehrenbürger Bad Wildungens. Über Persönlichkeiten, die (Stadt-) Geschichte schreiben“ hatte eine Laufzeit von 58 Tagen (knapp zwei Monate) und zählte in dieser Zeit 2395 Besucher*innen. Einmal wöchentlich wurde eine einstündige Führung durch die Ausstellung angeboten, die die wichtigsten thematischen Schwerpunkte behandelte. Besonderen Anklang fand das „kopflose“ Gemälde Friedrich Sigismund Webers, durch das die Besucher*innen die Möglichkeit erhielten, sich als Ehrenbürger der Stadt zu inszenieren: Wie könnte die nächste Persönlichkeit aussehen, die Großes für die Gemeinde leistet und hierfür ausgezeichnet wird? Wie die Ausstellung durch Aufzeigen der einzelnen Persönlichkeiten offenbarte, lässt sich bisher keine Frau in der Ehrenbürger-Liste Bad Wildungens finden – wäre es deshalb nicht (endlich) an der Zeit, den Begriff (zumindest) geschlechtsübergreifend zu erweitern? Was das „unfertige“ Gemälde Webers in jedem Falle aufzeigen konnte: Die Geschichte der Ehrenbürger ist noch lange nicht zu Ende geschrieben…

Das Begleitbuch und die Ausstellung „Die Ehrenbürger Bad Wildungens. Über Persönlichkeiten, die (Stadt-) Geschichte schreiben“ wurden von Lisa Beutler erarbeitet, die seit März 2022 als Nachfolgerin von Bernhard Weller das Kulturamt und die Städtischen Museen von Bad Wildungen leitet. Ihr war im Zuge der Vorbereitungen auf die neue Anstellung eher zufällig eine Diskrepanz aufgefallen, die es näher zu durchleuchten gab: Nachdem ihr auf der umfassenden Wikipedia-Seite der Stadt unter der Rubrik „Ehrenbürger“ ein gewisser Adolph Klapp begegnete, war ihr beim Besuch des Stadtmuseums das beeindruckende Porträt Friedrich Sigismund Webers aufgefallen. Auf der Plakette las sie, dass auch Weber als ein Ehrenbürger der Stadt geführt wird. Wie konnte das sein? Sofort war der Entschluss gefasst, mehr über die verdienstvollsten Persönlichkeiten herauszufinden und das Thema der Ehrenbürger so umfassend wie nur möglich aufzuarbeiten. Nach Abschluss ihrer Recherchen konnte Lisa Beutler verkünden, dass insgesamt 16 Personen das Ehrenbürgerrecht der Stadt Bad Wildungen erhalten hatten und 12 davon bis heute als Ehrenbürger geführt werden. Es galt, die zahlreichen Erkenntnisse, die aus den Akten des Rathauses und des Stadtarchivs sowie aus Zeitungsberichten und Publikationen zur Stadtgeschichte gewonnen werden konnten, in geeigneter Form zu verschriftlichen und zu visualisieren.

Inhalt
Einleitung

Kurze Einführung in die Thematik

Zwar mag ein jeder den Begriff „Ehrenbürger“ schon einmal gehört haben, dennoch ist er keineswegs alltäglich. Um einen allgemeinen Zugang zu dieser Thematik zu ermöglichen, bedurfte es zunächst einer umfassenden Definition des Begriffes. Erstaunlicherweise ließ sich feststellen, dass sich bisher eigentlich nur Dr. Karl Spielmann in seinem 1965 erschienenen Werk „Ehrenbürger und Ehrungen in der Bundesrepublik“ wirklich intensiv mit der durchaus bedeutenden Thematik auseinandergesetzt hatte. So wurden einerseits die Ausführungen Spielmanns, andererseits aber auch archivierte Dokumente der Stadt als Quellen für die im folgenden dargelegte Definition der „Ehrenbürgerschaft“ herangezogen.

„Unter allen Auszeichnungen für besondere Verdienste um eine Stadt oder Gemeinde ist die Ehrenbürgerschaft die wertvollste und am seltensten verliehene Würdigung. Nur den verdienstvollsten Persönlichkeiten, „die sich weit über den Rahmen und den Maßstab eines seine Pflichten erfüllenden Bürgers herausheben“ und „auf allen Gebieten des Lebens […] für die Allgemeinheit mit dem Einsatz ihrer ganzen Person tätig gewesen sind“ (Dr. Karl Spielmann, Ehrenbürger und Ehrungen in der Bundesrepublik, Dortmund 1965, S. 11), ist ein solches Recht vorbehalten. Es ist weder an eine politische Beteiligung noch an eine bestimmte Berufsgruppe geknüpft. „Die Förderer gemeindlicher Einrichtungen, Anlagen, Bauwerke […] kommen ebenso in Betracht wie Bürger, die als Dichter, Forscher, Wissenschaftler, Techniker oder Staatsmänner dem Namen ihrer Gemeinde besonderes Ansehen gebracht haben“ (Antwortschreiben des Magistrats der Stadt Kassel an den Magistrat der Stadt Bad Wildungen vom 26. August 1964, in: Rathaus Bad Wildungen, laufende Akte 10-021-060). Gerade weil diese Definition so viele Interpretationen erlaubt, muss seitens den Städten und Gemeinden stets sorgfältig abgewogen werden, ob die Leistungen einer zu ehrenden Person auch tatsächlich von „besonders herausragender Bedeutung“ (Ebd.). Wird einer Person schließlich die seltene Ehrenbürgerschaft verliehen, so kann davon ausgegangen werden, dass sie dieser Auszeichnung in vollstem Maße würdig ist. Das Recht ist nicht übertragbar oder vererblich, auch kann es wegen unwürdigen Verhaltens wieder entzogen werden. Es wird nur an lebende Personen vergeben und erlischt mit dem Tode. Dennoch ist es durchaus üblich, das Andenken an einen verstorbenen Ehrenbürger weit über den Tod hinaus in besonderer Weise zu bewahren, sei es durch Gedenktafeln, Straßenbenennungen oder Ehrenbürgerlisten. Leben und Wirken des Geehrten werden zu Leitbildern einer Gemeinschaft erklärt – „auf ewig“ wird er damit zum Repräsentanten einer ganz bestimmten Zeit.“

In: Magistrat der Stadt Bad Wildungen (Hg.), Lisa Beutler, Die Ehrenbürger Bad Wildungens. Über Persönlichkeiten, die (Stadt-) Geschichte schreiben. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung in der Wandelhalle Bad Wildungen 10.12.2022 – 05.02.2023, Bad Wildungen 2022, S. 8.

Angesichts dieser Definition erschien es erstaunlich, dass die Geschichten der Ehrenbürger von Bad Wildungen bisher noch nicht umfassend ergründet wurden. Dringend musste daher ein Werk über die verdienstvollsten Persönlichkeiten der Stadt verfasst werden, das gleichzeitig auch ihr Leben und Wirken in den geschichtlichen Kontext einbettet. Auf 174 Seiten werden die 16 Männer vorgestellt, die seit ihrer erstmaligen Verleihung um 1879 zu Ehrenbürgern der Stadt Bad Wildungen ernannt wurden. Bewusst wurden die 4 Personen, denen das Ehrenbürgerrecht entweder schon zu Lebzeiten aberkannt wurde oder die posthum durch einen symbolischen Akt ihre Ehrenbürgerschaft verloren, in das Buch mit einbezogen. So ist es das erklärte Ziel des Werkes von Lisa Beutler, sowohl die Geschichten der zu Ehrenbürgern der Stadt ernannten Persönlichkeiten, als auch die facettenreichen (historischen) Umstände ihrer Verleihungen so vollständig wie nur möglich abzubilden. Letztlich ist dabei eine neue Stadtgeschichte entstanden, die gut 150 Jahre umfasst, maßgebliche Entwicklungen Bad Wildungens zur Kurstadt mit den Verdiensten einzelner Persönlichkeiten verknüpft und auch allgemein interessante Informationen zu den prägendsten gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhundert liefert.

Inhalt
Einleitung

Das Buch zur Ausstellung

Das Buch „Die Ehrenbürger Bad Wildungens. Über Persönlichkeiten, die (Stadt-) Geschichte schreiben“ kann sowohl im Stadtmuseum als auch im Info Point der Wandelhalle Bad Wildungen für 24,90 Euro erworben werden. Gerne senden wir Ihnen ein Exemplar auf dem Postwege zu! Bitte richten Sie hierzu eine schriftliche Anfrage unter Angabe Ihrer Adressdaten an museen@badwildungen.net

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Einleitung

Ehrenbürger-Liste Bad Wildungens

Das Ehrenbürgerrecht wurde in Niederwildungen erstmals um 1879 verliehen. Erhalten hatte es Bäckermeister Friedrich Sigismund Weber, der aus dem fernen St. Petersburg durch großzügige Spenden die Einrichtung eines Kindergartens in seiner Heimatstadt ermöglichte. Seither sollten im Laufe der Zeit 15 weitere Männer mit der Ehrung für außerordentliche Verdienste um das Gemeinwohl der Stadt ausgezeichnet werden. Unter den 16 Ehrenbürgern Bad Wildungens fanden sich dabei zeitweise auch Adolf Hitler, Hermann Göring, Karl Litzmann und Wilhelm Frick. Leichtfertig waren sie in der NS-Zeit von unzähligen deutschen Städten zu ihren Ehrenbürgern ernannt worden, obgleich sie zu Lebzeiten oft nicht einmal persönlich dort erschienen waren. Im Falle Hermann Göring und Wilhelm Frick hatte die Stadt Bad Wildungen umgehend reagiert, indem sie die Ehrenbürgerschaften der beiden Hauptkriegsverbrecher noch zu Lebzeiten und damit rechtskräftig im Jahre 1946 aufhob. Da das Ehrenbürgerrecht faktisch mit dem Tode erlischt, fehlte für ein posthumes Aberkennen der Ehrenbürgerschaften von Adolf Hitler und Karl Litzmann bislang jede rechtliche Grundlage. Dennoch konnte die Bürgerinitiative „Wir gegen rechts“ nach langjährigen Bestrebungen erreichen, dass sich die Bad Wildunger Stadtverordnetenversammlung im Jahre 2007 durch ein symbolisches Rückgängigmachen der damals gefassten Beschlüsse deutlich von ihren einstigen „Ehrenbürgern“ distanzierte. So umfasst die im Zuge der thematischen Aufarbeitung aktualisierte Ehrenbürger-Liste der Stadt gegenwärtig 12 Persönlichkeiten. Eine Besonderheit auf dieser Liste stellt sicherlich die (bislang bewahrte) Ehrenbürgerschaft Paul von Hindenburgs dar.

Liste der Ehrenbürger

Inhalt
Einleitung

Neu: Die „Ehrenbürger-Galerie“ im Foyer des Stadtmuseums

Um die außerordentlichen Verdienste der Ehrenbürger von Bad Wildungen auch langfristig in angemessener Form zu würdigen, wurde nach der Sonderausstellung im Foyer des Stadtmuseums eine „Ehrenbürger-Galerie“ eingerichtet. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Museums (Mi, Fr, So, jeweils 14.00 – 17.00 Uhr) besichtigt werden.

Inhalt
Nach Oben