Liebe Wildungerinnen und Wildunger,
liebe Gäste,
liebe Freundinnen und Freunde unseres Viehmarkts,

das Viehmarkt ist jedes Jahr ein schöner Anlass, zusammenzukommen. Man trifft Menschen, die man lange nicht gesehen hat, diskutiert über das Wetter, den Fußball – und natürlich über die Politik. Wobei: In Bad Wildungen weiß ja bekanntlich jeder schon vorher, wie man es besser gemacht hätte. Und das bei ausnahmslos jedem Thema.

Aber wenn wir ehrlich sind: die Zeit seit dem letzten Viehmarkt war für unsere Stadt ein Jahr, in dem sich einiges bewegt hat.

Da ist zum Beispiel unsere Sommeroase. Sie zeigt, dass wir auch ohne klassisches Freibad Angebote schaffen können, die Familien und Kinder begeistern. Und wenn sogar Spenden dafür sorgen, dass Kitakinder freien Eintritt bekommen, dann bedeutet das: Zusammen geht eben mehr. Mögen sich einige auch über das Provisorium amüsieren oder, wie ja so oft und gern praktiziert, hämisch ablästern, Kinder, Jugendliche und Familien freuen sich über das Angebot und nutzen es eifrig und mit Begeisterung.

Auch bei der Quellentherme gibt es Veränderungen, die viele Wildunger unmittelbar betreffen. Hier muss ich ehrlich sagen, dass ich mir eine saubere Diskussion auf Augenhöhe mit den Betreibern gewünscht hätte, anstatt mit einem Aushang die Gerüchteküche anzuheizen und den berühmten schwarzen Peter allein bei der Stadt zu suchen. Ein offenes Wort und Aufrichtigkeit waren und sind nach wie vor die Basis für eine konstruktive und fruchtbare Zusammenarbeit. Und das betrifft beide Seiten.

Beim Kurhaus geht es endlich voran. Der Abrissantrag ist gestellt, und danach beginnt die Chance, aus einem traurigen Kapitel ein neues Stück Zukunft für unsere Stadt zu machen. Stillstand war gestern – jetzt brauchen wir gute Ideen. Sicher ist es in der heutigen Zeit nicht einfach, große Projekte zu realisieren, die auch noch ins Stadtbild und ins Konzept passen müssen. Aber wir bleiben dran und schauen optimistisch nach vorn. Was ich jetzt schon verraten kann, ist das, was es auf diesem Areal in Zukunft nicht geben wird, auch wenn das sicher den ein oder anderen enttäuschen mag: Spielhallen, andere Vergnügungsstätten, zeitweiligen Restpostenverkauf und Sexshops.

Auch beim Bauhof geht es weiter. Der Abrissantrag ist auf dem Weg, und damit schaffen wir die Grundlage für moderne Arbeitsbedingungen für die Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass unsere Stadt funktioniert – oft im Hintergrund und viel zu selten mit dem Dank, den sie verdienen. Viele Menschen in Bad Wildungen wissen nicht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bauhofes das heimliche Herz unserer Infrastruktur sind. Würden deren vielfältige Arbeiten wegfallen, dann sähe es in unserer schönen Stadt buchstäblich finster aus.

Der neue Wertstoffhof wird hervorragend angenommen. Das zeigt: Wenn man vernünftige Angebote schafft, werden sie auch genutzt. Manchmal ist Politik eben ganz praktisch – und das ist auch gut so.

Besonders freut mich, dass die BKW zwei Busbündel gewonnen hat. Das sichert Arbeitsplätze hier vor Ort. Denn gute Politik misst sich nicht nur an schönen Reden, sondern auch daran, ob Menschen am Ende einen sicheren Arbeitsplatz haben.

Ebenso können wir stolz darauf sein, dass Bad Wildungen erneut als Kurstadt rezertifiziert wurde. Und das trotz aller Diskussionen um das Freibad. Das zeigt: Unsere Stadt hat viele Stärken – und wir sollten sie selbstbewusst vertreten. Übrigens, das dürfte hauptsächlich unsere Gäste interessieren, bedeutet der Zusatz „Bad“ eben nicht, dass eine Stadt ein Schwimmbad vorweisen muss, sondern bezeichnet den Kurbetrieb.

Auch im Rathaus verändert sich etwas. Das Bürgerbüro wird neu gestaltet. Das klingt vielleicht nicht spektakulär. Aber jeder, der schon einmal einen Ausweis beantragt oder eine Ummeldung erledigt hat, weiß: Ein modernes Rathaus macht den Alltag für alle einfacher. Viele Dinge lassen sich inzwischen auch online über die Homepage unserer Stadt erledigen. Dieses Angebot wächst kontinuierlich weiter, wird gepflegt und ausgebaut.

Und seit der Kommunalwahl arbeitet ein neues Stadtparlament für Bad Wildungen. Demokratie lebt davon, dass unterschiedliche Meinungen zusammenkommen. Aber sie lebt eben auch davon, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Ich bin sicher, dass es noch zu vielen interessanten Debatten in der Stadtpolitik kommen wird, über die wir dann auch online und gedruckt lesen werden.

Natürlich läuft nicht alles reibungslos.

Bei der Neugestaltung unserer Altstadt erleben wir leider immer wieder Verzögerungen. Unterschiedliche Auffassungen gehören zur Demokratie. Aber wenn notwendige Entwicklungen dauerhaft blockiert werden, hilft das am Ende weder dem Einzelhandel noch den Anwohnern noch den Gästen unserer Stadt. Ich wünsche mir deshalb, dass künftig häufiger gefragt wird: „Wie machen wir es möglich?“ – und etwas seltener: „Warum geht es nicht?“ Das wäre doch mal ein Anfang, oder?

Und damit bin ich bei einem Wunsch an uns alle.

Es ist leicht, am Stammtisch zu sagen, was alles schlecht läuft. Das „Gemähre“ gehört im Waldeckischen wahrscheinlich sogar ein bisschen zur Tradition.

Aber unsere Stadt braucht mehr als gute Ratschläge.

Sie braucht Menschen, die sich einbringen.

Nutzen Sie den Bürgerhaushalt. Kommen Sie in die Bürgersprechstunden. Bringen Sie Ideen ein. Stellen Sie Fragen. Machen Sie mit. Denn Demokratie funktioniert nicht nur alle fünf Jahre an der Wahlurne – sondern jeden Tag.

Bad Wildungen lebt von den Menschen, die Verantwortung übernehmen: in Vereinen, bei der Feuerwehr, im Ehrenamt, in Unternehmen, in der Nachbarschaft und in der Kommunalpolitik.

Lassen Sie uns deshalb ein bisschen mehr Nähe wagen.
Ein bisschen mehr miteinander reden statt übereinander.
Ein bisschen mehr aufeinander achten.
Und vor allem: Nicht darauf warten, dass „die da oben“ etwas tun – sondern selbst mit anpacken. Und keine Angst vor Kritik, als Bürgermeister weiß ich: Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Wer nichts sagt, wird nicht gehört, wer etwas sagt hat eine Stimme, und das ist wichtig.

Denn unsere Stadt wird nicht dadurch besser, dass wir sie schlechtreden.

Sie wird besser, wenn wir gemeinsam etwas daraus machen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen ein wunderschönes Viehmarkt, gute Gespräche, viel Freude – und vielleicht auch das eine oder andere Kaltgetränk. Denn Politik lässt sich manchmal leichter ertragen, wenn das Glas gut gefüllt ist.

Vielen Dank!