Wo fehlen Straßenbäume? Welche Standorte eignen sich für neue Pflanzungen? Wo gibt es Probleme mit bestehenden Bäumen? Mit diesen Fragen richtet sich die Stadt Bad Wildungen aktuell an die Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen des aktuell in Bearbeitung befindlichen Straßen- und Stadtbaumkonzeptes wurde eine öffentliche Umfrage gestartet, bei der Hinweise, Ideen und Ortskenntnisse direkt in die Planungen eingebracht werden können. Diese ist bereits seit dem 1. Juni online unter https://stadtleben-machmit.bad-wildungen.de 🡺 Stadtbaumkonzept oder mittels QR-Code abrufbar.

Die Teilnahme erfolgt über eine interaktive Karte. Dort können Interessierte unter anderem problematische Baumstandorte markieren, Vorschläge für neue Pflanzungen eintragen oder weitere Hinweise und Ideen ergänzen. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sollen anschließend in die fachliche Untersuchung und die Entwicklung konkreter Maßnahmen einfließen. Gerade die Bürgerinnen und Bürger kennen viele Problemstellen, fehlende Beschattung oder ungeeignete Standorte aus dem Alltag besonders gut.

Die vergangenen Trocken- und Hitzejahre zwischen 2018 und 2022 haben deutlich gezeigt, dass viele Straßen- und Stadtbäume unter den bestehenden Standortbedingungen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen geraten. Während in den heimischen Wäldern massive Schäden und das großflächige Absterben einzelner Baumarten wie der Fichte sichtbar wurden, gerieten auch zahlreiche Stadtbäume zunehmend unter Stress. Trotz intensiver Bewässerung durch den Städtischen Bauhof sowie engagierter Bürgerinnen und Bürger litten viele Bäume unter Trockenheit und Hitze. Die Extremjahre haben dabei bestehende Probleme vieler innerstädtischer Baumstandorte zusätzlich verschärft und deutlich sichtbar gemacht.

Besonders problematisch sind dabei häufig die Bedingungen entlang von Straßen und versiegelten Flächen. Stadtgebiete erwärmen sich deutlich stärker als das Umland. Gleichzeitig verfügen viele Straßenbäume nur über sehr kleine Baumscheiben und eingeschränkten Wurzelraum. Oft fehlt sowohl in der Fläche als auch in der Tiefe ausreichend Platz für eine gesunde Entwicklung. Regenwasser wird zudem in vielen Bereichen direkt in die Kanalisation abgeleitet, anstatt den Bäumen zur Verfügung zu stehen.

Die Folgen sind im Stadtgebiet bereits sichtbar. In einzelnen Bereichen, etwa in der „Krügerstraße“, mussten Baumstandorte bereits aufgegeben werden, da wiederholte Nachpflanzungen langfristig nicht erfolgreich waren. Gleichzeitig fehlen dadurch wichtige Funktionen der Stadtbäume. Sie spenden Schatten, verbessern das Mikroklima, fördern die Aufenthaltsqualität und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Geschwächte oder absterbende Bäume stellen zudem langfristig auch ein Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr und Fußgänger dar.

Mit dem Straßen- und Stadtbaumkonzept soll daher untersucht werden, wie bestehende Baumstandorte langfristig verbessert und neue klimaangepasste Standorte entwickelt werden können. Neben der Bewertung des aktuellen Baumbestandes sollen auch konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Standorte entwickelt werden. Dazu gehören unter anderem größere Baumscheiben, mehr durchwurzelbarer Raum sowie Ansätze zur natürlichen Versorgung der Bäume mit Regenwasser im Sinne des Schwammstadtprinzips.

Durch bauliche Anpassungen könnte Regenwasser künftig stärker vor Ort zurückgehalten und gezielt den Bäumen zugeführt werden. Dadurch würden nicht nur die Stadtbäume gestärkt, sondern gleichzeitig auch Kanalisation und Kläranlagen entlastet sowie die Auswirkungen von Starkregenereignissen reduziert. Gleichzeitig könnte der Bewässerungsaufwand des städtischen Bauhofes langfristig reduziert werden.

Das Thema wurde in den vergangenen Jahren zunehmend auch politisch diskutiert. Die Umsetzung entsprechender Maßnahmen wird dabei als langfristiger Prozess über viele Jahre und Jahrzehnte erfolgen. Viele Verbesserungen lassen sich insbesondere dann sinnvoll umsetzen, wenn ohnehin Straßen oder Gehwege erneuert werden. Angesichts von mehreren tausend Bäumen im Stadtgebiet handelt es sich dabei um eine Daueraufgabe.

Mit der Bearbeitung des Konzeptes wurde das Kasseler Büro PLF Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum beauftragt. Untersucht werden sowohl die Kernstadt als auch die Stadtteile. Bestandteil des Konzeptes sind unter anderem eine Bestandsaufnahme bestehender Straßenbäume sowie die Analyse möglicher neuer Pflanzstandorte.

Gefördert wird das Projekt mit rund 90 Prozent über das Förderprogramm „KfW 444 Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Die Gesamtfördersumme liegt bei rund 65.000 Euro. Bestandteil der Förderung ist zudem eine erste Umsetzung von Maßnahmen durch zusätzliche Baumpflanzungen.

Die Stadtverwaltung ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich an der Umfrage zu beteiligen und ihre Ortskenntnisse einzubringen. Die Teilnahme an der Umfrage ist ab dem 1. Juni bis zum 19. Juli möglich