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Der Altar des Conrad von Soest

Das Altarbild des Conrad von Soest

Das Altarbild des Conrad von Soest

 

Das Altarbild

Die linke Seite des Altarbildes.

Das Altarbild (linker Teil)

Beginnen wir links oben:

Die Verkündigung: Gleich in diesem ersten Bild zeigt Conrad seine Meisterschaft, Botschaften in Bilder zu fassen. Maria wird als gebildete und edle Frau dargestellt, das zeigen die Bücher und ihre Kleidung. Die Blume in der schönen Vase symbolisiert ihre Reinheit, die Taube den Heiligen Geist. Der Erzengel Gabriel begrüßt Maria ehrfurchtsvoll mit den Worten auf dem Spruchband "Sei gegrüßt, Maria, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir." Und Conrad hat auch gleich sich selbst verewigt: Auf der für Maria nicht sichtbaren Seite des aufgeschlagenen Buches findet sich sein Name.

Rechts daneben ist die Geburt Christi dargestellt. Maria und das Kind beherrschen die Szene, obwohl sie sich am Bildrand befinden. Ungewöhnlich ist der unterwürfig kniende, fürsorgliche Josef, der einen Brei für das Kind zubereitet. Seine Gesichtszüge erscheinen individuell. Conrad brach mit der Tradition maskenhafter, stets gleicher Gesichter. Und noch etwas ist in dieser Szene ungewöhnlich: Die Architektur des Stalls wird durch die vor Marias Lager gezogene Stütze plastisch. Zwar müßte der Stall, so wie er hier gebaut ist, jeden Moment zusammenbrechen, aber Conrads Absicht wird klar: Architektur laßt sich wirkungsvoller darstellen als es üblich war. Conrad fing an, perspektivisch zu malen.

Links unten sehen Sie die Anbetung der Könige. Aus dem Stall ist ein gotisches Bauwerk geworden, aber wieder steht Maria im Mittelpunkt. Schauen Sie sich die Könige genau an und betrachten Sie dann die Männergruppe in der Kreuzigungsszene. Die Ähnlichkeit der Gewänder, des Schmucks und der Gesichter lassen vermuten, daß Conrad hier einer damals populären Legende folgt, die besagt, die "Drei Weisen" hätten unter Jesu Kreuz gestanden.

Es folgt die Darbringung des Kindes im Tempel. Simeon ist von der Kleidung her als Jude zu erkennen. In seinem kleinen Täschchen am Gürtel bewahrt er die rituellen Beschneidungsinstrumente auf. Rechts im Hintergrund stehen zwei Herren. Über ihnen schwebt ein Höllenwesen als Zeichen dafür, daß hier zwei lebende Personen dargestellt sind. Vermutlich sehen wir links Conrad selbst und neben ihm den damaligen Pfarrer dieser Kirche, Conrad Stollen.

Der Mittelteil

Der Mittelteil des Altarbildes

Der Mittelteil des Altarbildes

Wenden wir uns der Mitteltafel zu, wo links oben das letzte Abendmahl dargestellt ist. Für alle am Tisch Sitzenden nicht zu sehen, aber uns offen zugewandt, trägt der Verräter seinen Lohn in einem Beutel auf dem Rücken. Als weiteres Zeichen des Verrats versteckt er einen Fisch (ein frühes Symbol der Christen) unter dem Tisch.
An der Seite Jesu ruht Johannes. Neben ihm wird Paulus dargestellt. Diese nicht biblisch begründete Darstellung war durchaus üblich.
Unüblich hingegen ist wiederum Conrads lebensnahe Darstellungsweise. Auf dem Tisch finden sich Speisen, z.B. eine Art Pfefferschote wie sie damals sehr beliebt waren.

Rechts oben auf der Mitteltafel folgt die nächste Szene: im Garten Gethsemane. Jesus ist ins Gebet versunken, seine Jünger in den Schlaf Im Hintergrund nähern sich die Häscher mit Judas. In dieser bislang schwersten Stunde Jesu tröstet ihn die Anwesenheit Gottes: rechts oben ragt seine Hand aus den Wolken. Die naturtreue Darstellung der Flora ist wiederum ein neuer Weg, den Conrad beschreitet - schon fast Landschaftsmalerei. Vergleichen Sie dazu den direkt darunter dargestellten Berg in der Himmelfahrtsszene: streng stilisiert, ohne Naturbezug.

Auf dem rechten Flügel geht es weiter. In typischer Weise zeigt uns Conrad das Verhör bei Pilatus, der sich, ganz rechts stehend, bereits die Hände "in Unschuld" wäscht. Ganz links ist zu erkennen, wie zwei Beteiligten deutliche Zweifel kommen, angesichts dessen was sie gehört und gesehen haben. Bei diesem Bild lohnt es sich wieder auf Architektur und Gesichter zu achten!

Es folgt die Geißelung. Jesus wird die Dornenkrone aufgesetzt, er wird verhöhnt und mißhandelt. Conrad stellt in den beteiligten Personen die vier Stände dar: Adel, Bürgerschaft, Geistlichkeit und Bauern.

Das große Mittelbild, die Kreuzigung, folgt dem klassischen Bildaufbau zur Zeit Conrads. Von uns aus links ist die "gute", rechts die "schlechte" Seite. Vielfältige Hinweise und Deutungen sind mit jeder Figur, ja jedem Detail verbunden. Aber ein Fehler ist Conrad unterlaufen: er verwechselte die Namen der beiden mitgekreuzigten Mörder. Links sehen wir Dismas (Conrad schrieb aber 'Jasmus' an den Querbalken), der Jesus als den Heiland erkannte und dessen Seele von einem Engel über ihm erwartet wird. Rechts geht die Seele des Jasmus einem weniger erfreulichen Schicksal entgegen. Aber auch der heidnische Hauptmann (der ebenso einer der drei Könige sein könnte) bekennt mit seinem Spruchband: "Wahrlich, dieser war Gottes Sohn".

Es folgt, links unten auf der Mitteltafel, die Auferstehung. Wieder wählt Conrad eine ungewöhnliche Bildkomposition. Die Stellung des Sarkophages im Bild und der verschobene Deckel sind der Beginn einer echten Perspektive. Im Gegensatz dazu ist die Darstellung Jesu bewußt nicht 'echt' oder irdisch. Der linke Fuß ist zwar verborgen, erkennbar aber nicht das Standbein. Auch der rechte Fuß hat noch keinen festen Boden gefunden. Dennoch findet er (symbolisch) Halt an der Rüstung - obwohl er sich daran eigentlich stechen müßte. Die drei Soldaten, nach bester burgundischer Art gerüstet, begreifen nicht was geschieht - einer schläft sogar ruhig weiter.

Auf der Haupttafel rechts unten wird Christi Himmelfahrt dargestellt. Besonders beeindruckt dabei wiederum die reiche Sprache der Gesichter. Ungläubiges Staunen, Fassungslosigkeit und tiefe Verzweiflung erfüllen die Jünger und Maria. Jesus ist bereits weit entrückt. Nur seine Fußabdrücke auf dem stilisierten Ölberg erinnern noch an sein irdisches Wandeln.

Das Ende

Die rechte Seite des Altarbildes

Das Altarbild (rechter Teil)

Im Pfingstgeschehen, rechts daneben, wird die biblische Überlieferung sehr frei interpretiert. Es geht Conrad um die Ehrung Marias als "Mutter Kirche". Auf sie kommt stellvertretend der Heilige Geist in Gestalt einer Taube hernieder. Sie beherrscht das Bild unumstritten. Verstärkt wird dies durch die roten Gewänder der beiden 'Apostelfürsten' links und rechts von ihr. Unbedingt zu beachten ist der sogenannte 'Brillenapostel', die früheste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen. Der Brillenapostel ist zu einem Symbol der Ev. Kirchengemeinde Wildungens geworden und findet sich heute in ihrem Siegel wieder.

Den Abschluß des Bilderzyklus bildet die Darstellung des Weltenrichters. In ihr mischen sich verschiedene Maltraditionen, dennoch ist dies das am traditionellsten gehaltene Bild dieses Altars. Links ist wieder Maria zu sehen, rechts Johannes der Täufer im Gewand des Asketen. Beide beten zum Weltenrichter für das Heil der Auferstandenen. Unter diesen Figuren tun sich die Gräber auf und dazwischen verschlingt die Hölle alle Sünder. Die Seelen der Geretteten lässt Petrus links oben in den Himmel ein.

Die Rückseite des Altars ist jetzt die meiste Zeit des Jahres verhängt, um weitere Schäden am Bild durch Licht und Wärme zu vermeiden. Geschlossen zeigt der Altar vier Heiligendarstellungen.

Von links nach rechts sind dies

  • die Heilige Katharina mit Rad und Schwert. Sie genoß zu Conrads Zeiten besonders hohes Ansehen und nach ihr wurde dieser Altar zunächst auch der Katharinen-Altar genannt. 
  • Johannes der Täufer, mit Bibel und einem Lamm, im Büßergewand und barfuß. Auf seine Darstellung begründet sich unter anderem die Vermutung, dass der Altar vom Johanniter-Orden gestiftet wurde dessen Namenspatron der Täufer ist.
  • die Heilige Elisabeth, schon immer eine der wichtigsten Heiligenfiguren Nordhessens, mit einer Kirche in der Hand, als Nonne dargestellt
  • und der Heilige Nicolaus, im vollen Bischofsornat, dem diese Kirche geweiht wurde. Eigentlich heißt sie auch heute noch "St.-Nicolaus-Kirche", dieser Name ist aber fast vollständig in Vergessenheit geraten.

 

Text: Wolfgang Keller

Der Maler

Über das Leben dieses Dortmunder Malers wissen wir nicht viel und auch von seinen Werken sind leider nur wenige erhalten. Ohne Zweifel aber gehört Conrad von Soest zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Malerei. Den "Wildunger Altar", vermutlich vom Johanniterorden in Auftrag gegeben, vollendete Conrad im Jahre 1403.

Mit dem Einbau einer ersten Heizung in die Stadtkirche vor gut 100 Jahren begannen die Holztafeln zu arbeiten und es entstanden schnell Risse im Bild. Mehrere Restaurationen fügten dem Bild weitere Schäden hinzu. Zuletzt wurde das Altargemälde von 1994-98 eingehend untersucht und restauriert. Umbauten in der Kirche und eine angepasste Heizungsanlage sorgen jetzt für ein optimales Raumklima zur Vermeidung weiterer Schäden.

Bitte bedenken Sie, dass alle Beschreibungen, ja selbst Fotografien Ausdruck, Details und Leuchtkraft der Farben dieses einzigartigen Kunstwerkes nur unvollkommen wiedergeben können. Im geöffneten Zustand zeigen sich uns 13 Bilder: in der Mitte die alles beherrschende Kreuzigungsszene, links und rechts ist die Lebens- und Leidensgeschichte Christi dargestellt.

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